Breitrandschildkröte
Testudo marginata

Die Breitrandschildkröte (Testudo marginata) ist die größte Landschildkröte Europas und somit der größte Vertreter der Gattung Testudo im eigentlichen Sinne. Für manchen Schildkrötenhalter, wovon ich mich nicht ausnehme, ist sie auch die schönste der europäischen Landchildkrötenarten.

Verbreitung

Ihre derzeitige Verbreitung erstreckt sich auf Griechenland, vom Olymp bis zum Peleponnes, einige Ägäische Inseln, Südalbanien und Sardinien. In Sardinien wurde die Schildkröte vermutlich durch Menschen, Seefahrer o.ä., angesiedelt. Wann dies geschah, ist nicht eindeutig bekannt. Die Breitrandschildkröte lebt in einem relativ steilen, felszerklüfteten Areal, windgeschützt, mit mehr oder weniger starker Buschvegetation, maccia-artig, bis in Höhen von 600 - 800 m ü. NN. Sie lebt in einem Gebiet von trockenheißen Sommern und feuchtkühle Winter. Die mittlere Tagestemperatur im Winter beträgt ca. 10 - 15 Grad C, in der Nacht normalerweise 3 - 8 Grad C, wobei es durchaus je nach Höhenlagen des Gebietes auch zu deutlichen Minusgraden kommen kann. Im Sommer sind Tagestemperaturen zwischen 25 und 33 Grad C, maximal auch über 40 Grad C, vorherrschend.

Habitus

Testudo marginata wird 30 - 35 cm groß, ausnahmsweise auch manchmal bis 40 cm Carapaxlänge. Im Gegensatz zu vielen anderen Landschildkröten wird hier im Regelfall das Männchen größer als das Weibchen. Das Männchen hat auch einen länger gestreckten, bei adulten Männchen taillierter Carapax, meistens mit dunkelbrauner bis schwarzer Grundfärbung, teils mit hornfarbener oder gelb-bräunlicher Fleckung; das Plastron (Bauchpanzer) ist hornfarben mit charakteristischen "dreieckigen" Flecken. Das Schwanzende hat keinen Hornendnagel, Männchen haben aber einen deutlich längeren Schwanz als Weibchen.

Haltung in unseren Breiten

Das Freigehege sollte durch Bewuchs, Wurzelstümpfe, Steine, u.ä., möglichst abwechslungsreich strukturiert sein. Die Aussaat von Wiesenkräutern /Unkräutern ermöglicht den Tieren eine abwechslungsreiche Nahrung.
In höheren, bzw. kälteren Gebieten empfiehlt sich eine Freilandhaltung in Verbindung mit einem Gewächshaus oder Frühbeet, da die Tiere wärmeempfindlicher sind als z.B. Testudo hermanni boettgeri, die robuster ist. In Gebieten mit Weinbauklima, wie z.B. an der pfälzischen Weinstraße oder Bergstraße (Heidelberg-Heppenheim) ist dies nicht zwingend erforderlich.
Der eigentliche Pflegeaufwand ist dann nur noch gering, wie zufüttern, Entfernen von Kot und Urin. Die Trinkschalen müssen ebenfalls täglich gereinigt und frisches Wasser hinzugegeben werden. Auch wenn die Tiere wenig trinken, muß den Tieren immer frisches Wasser zur Verfügung stehen.

Ernährung

Die Breitrandschildkröte ernährt sich überwiegend vegetarisch. Als Futterpflanzen eignen sich Ackersenf, Brunnenkresse, Brennnesseln, Disteln, Ferkelkraut, Gaiskraut, Gänseblümchen, Huflattich, Löwenzahn, Spitzwegerich und Breitwegerich, Luzerne, Taubnesseln, Vogelmiere, Weißklee und Zaunwicken. Auch Kakteen/Sukkulenten nehmen die Tiere gerne an, wie Opuntien, Agaven, Sedum-Arten, Hauswurz. Bitte keine Spitzgräser geben, da sie von den Tieren nicht angenommen werden. Keinesfalls sollte den Tieren Obst oder Nahrungsmitteln wie Nudeln, Reis, Brot, Kartoffeln, etc. verabreicht werden. Da der Darm der Tiere nicht darauf eingestellt ist, kann es zu schwerwiegenden Darmkoliken, Durchfall, usw. kommen. Also bitte ausschließlich pflanzliche Kost, nährstoffarm, sehr reich an Mineralstoffen, Spurenelemente, Rohfaser und Ballaststoffen und zugleich äußerst kalorienarm. Im Sommer gibt man ausgewachsenes, rohfaserreiches Futter, das allmählich in Heu übergeht. Ab August langsam wieder auf grünes Futter übergehen. Heupellets (wie Agrops-Herbs, oder auch Pferdepellets) kann jederzeit angeboten werden. Diese sind aber zuvor in Wasser aufzuweichen. Bitte immer auf das richtige Verhältnis von Kalzium-Phosphor achten; meist wird Nahrung mit zuviel Phosphor (P) und zuwenig Kalzium (Ca) angeboten. Daher sollten z.B. auch Sepiaschalen angeboten werden. Phosphormangel kommt praktisch nicht vor.

Winterruhe

Die adulten, gesunden Tiere müssen bei einer Temperatur zwischen 2 und 8 Grad C in leicht feuchtem Substrat überwintert werden, wobei keine Staunässe entstehen darf (lebensgefährlich). Die Winterruhe oder auch Winterstarre genannt, dauert ca. 3 bis 5 Monate. Überwinterte Schildkröten sind gesünder und wesentlich lebhafter. Man kann sie entweder in großen Wannen oder auch in kleinen Behältern im Kühlschrank überwintern, hier empfehlen sich besonders die Weinkühlschränke, da diese luftdurchlässig und auch von außen durch ein Glasfenster einsichtbar sind. Ein Zusammenhalten der Schildkröten mit normalen täglichen Lebensmitteln im Kühlschrank während der Winterruhe sollte aus hygienischen Gründen nicht erfolgen.

Meldepflicht

Die Haltung aller Testudo-Arten, also auch der Breitrandschildkröte, muss bei der zuständigen Landesbehörde muss bei der zuständigen Landesbehörde (in Baden-Württemberg z.B. Regierungspräsidium) angezeigt werden (Anhang A).
Seit dem 01.01.2001 ist für alle eine Kennzeichnungspflicht in Form einer Fotodokumentation vorgeschrieben. (entsprechende Unterlagen finden Sie unter "downloads")