Russische Vierzehenschildkröte
Testudo horsfieldii oder Agrionemys horsfieldii

Die Vierzehenschildkröte oder auch Steppenschildkröte nach Art ihrer Herkunft benannt, ist eine Landschildkröte mittleren Ausmaßes (15 bis 25 cm Carapaxlänge) und bewohnt felsige Wüsten und Sandsteppen und ist in Höhenlagen bis 1.500 m oder höher anzutreffen. Ihre Heimatländer sind südöstliches Russland bis Zentralasien mit den Ländern Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan, auch im Iran, Afghanistan, das nordwestliche Pakistan und West-China (DAS 1991) ist sie anzutreffen.
Die Vierzehenschildkröte ist seit 1975 im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet und steht im Anhang B der EU-Verordnung (EG) Nr. 338/97 des Rates vom 09.Dezember 1996. Dies bedeutet eine Anmeldepflicht bei den unteren Naturschutzbehörden (z.B. Regierungspräsidium in Baden-Württemberg).
Eine Cites-Bescheinigung wie bei den anderen Testudo-Arten ist bisher nicht erforderlich. Sie gelten in ihren Heimatländern als weniger bedroht als die mediterranen Arten, was sich innerhalb der EU auch in einer niedrigeren Schutzkategorie niederschlägt. Sie wurde nach dem Importverbot für Europäische Landschildkröten in größeren Stückzahlen Anfang der 1980-er Jahre vom Tierhandel als "Ersatz" importiert. Beim Kauf einer Steppenschildkröte sollte man darauf achten, dass man ausschließlich legal importiere oder nachgezüchtete Tiere erwirbt , was mit entsprechenden Belege nachgewiesen werden muss.

Unterarten der Horsfieldii-Gruppe und ihre Beschreibung Testudo horsfieldii horsfieldii Gray, 1844 Ost- und Westrasse
Terra typica: Afghanistan (Umgebung Kabul?)
Aussehen: nach Chkikvadze 1986, Differenzialdiagnose zu A.H. kazachstanica: oberer Teil des Carapax nicht abgeflacht, hinterer Teil flacher abfallend, schräg auslaufender vorderer Plastronlappen wenig aufgebogen, Kiel an den Marginalia der Brücke schräg- nicht parallel zum Plastron, Panzeröffnungen mehr nach unten orientiert, nicht seitlich, dunkles Plastron, kleinere Zeichnungselemente auf dem Carapax.
weiblich = 23 cm männlich = 20 cm

Testudo baluchiorum Annandale, 1906
Terra typica: Beluchistan
Aussehen: 4 Krallen an den Vorderfüßen, hintere Marginalia gesägt und nur leicht ausgestellt, 2 größere Tuberkelschuppen an den Hinterschenkeln, kleiner Schwanzendnagel, Panzer braun mit dunkelbrauner Zeichnung, hochrückiger als T. horsfieldii, Supracaudalschild ungeteilt und vertikal ausgerichtet.
weiblich = 20 cm männlich = 18 cm

Agrionemys horsfieldii kazachstanica Chkikvadze, 1986
Terra typica: Siedlung Karatal, Südbalchasch-Region, Kasachstan
Holotypus:ad. Weibchen, Samml. Inst.Palaeobiologie Akad. Wiss. Georgien Nr. 13-4-1
Paratypen:Nr. 13-4-2, 13-4-3, 13-4-6, Zentralkasachstan, Ustjurt und Karakalpakistan
Aussehen: Panzer flach und eher eckig, Hinterrand steil abflachend, Marginalia nicht ausgerandet, Kiel an den Marginalia der Brücke ist parallel und stärker entfernt zum Plastron, vorderer Plastronlappen steiler ansteigend, seitliche Körperöffnungen groß und seitlicher ausgerichtet, Panzergrundfarbe gelb bis grüngelb mit braunen bis schwarzen Zeichnungselementen, Plastron nahezu komplett dunkel.

Agrionemys horsfieldii rustamovi Chkikvadze, Amiranashviili & Ataev, 1990
Verbreitung: turkmenisches Flachland nördlich des Kopet Dag (nicht im turkmen. Bergland, Badchys, Tadschikistan, Usbekistan- Raum Tashkent und zentrale Kysyl Kum)
Terra typica: Dorf Madau, Kysyl Atrek, SW Turkmenien
Holotypus:ad. Weibchen, Samml. Inst.Palaeobiologie Akad. Wiss. Georgien Nr. 13.4.88
Paratypen:ad. Weibchen Nr. 10.4.88, Umgebung der Ruine Rustam Kala, Kysyl Atrek Kreis und 2 Weibchen, 13.4.90 und 13.4.91
Aussehen: Panzer in Aufsicht rund, halb so hoch wie lang, Carapax stark gewölbt, Carapaxhinterrand gesägt, vordere Panzeröffnung schmalere als hintere, Kiel an den Marginalia der Brücke niedriger als bei A.h.kazachstanica, Plastron ragt über den Carapax-Vorderrand, oft Epiplastraltasche, horniger Schwanzendnagel, Plastron überwiegend dunkel, kleiner als die anderen Unterarten.
weiblich = 15-17 cm männlich = 12-14 cm

Agrionemys bogdanovi Chkikvadze, Ataev & Shammakov, 2009(?)
Verbreitung: Usbekistan: Samarkand, Buchara, Kars, Turkmenistan: Tschardtschou
Terra typica: Ferganatal.
Holotypus:Samml. Inst.Palaeobiologie Akad. Wiss. Georgien Nr. 13.4.60
Aussehen: Panzer ist glatter als bei den anderen Arten, Panzerfarbe dunkel-oliv, grün-gelb, Carapax nie rein gelb, Carapax oben ohne oder selten mit verwaschenen dunklen Flecken, Nuchalschild (Cervicalschild) immer vorhanden, nach vorn verschoben, kurz und schmal, drittes Vertebralschild breiter als alle anderen Vertebralia, keine Höcker an den Rückenschilden, die Kontur des hinteren Carapaxgewölbes bildet eine schwach gebogene Linie, Marginalschilder am hinteren Carapax gezackt - ab dem hinteren Inguinalausschnitt zur Seite statt nach hinten gerichtet, Seitenkiel der Randschilder über der Brücke nur leicht nach hinten abfallend, Plastronrand mit Epiplastraltasche ragt über den Carapaxvorderrand, Vorderrand der Epiplastraltasche fast gerade und ohne Einschnitt. A. horsfieldii aus Afghanistan hat im Gegensatz zu bogdanovi einen tiefen Ausschnitt am Plastronvorderende (?), vorderer Plastronlappen gerade und fast parallel zum Boden, bogdanovi hat im Gegensatz zu rustamovi einen breiteren abgeflachteren Panzer, keine Vertebralhöcker, die hinteren Marginalia sind seitlich und nicht nach hinten gebogen, hintere Carapaxgewölbekontur gerade und nur schwach gebogen, bogdanovi hat im Gegensatz zu horsfieldii eine andere Färbung, das hintere Carapaxgewölbe ist in der Seitenansicht anders, eher nach hinten ausgerichtet.

Agrionemys kazachstanica kuznetzovi Chkikvadze, Ataev & Shammakov, 2009(?)
Verbreitung: Nordturkmenistan: und wahrscheinlich Ustjurd-Plateau
Terra typica: Aktschakaja nahe Taschaus
Holotypus:Samml. Inst.Palaeobiologie Akad. Wiss. Georgien
Aussehen: Färbung des Carapax: dunkel-schwarze symmetrische Flecken auf gelbem Grund, Plastron fast schwarz, Carapaxbreite ist bei alten Männchen gleich oder größer als die Carapaxlänge, Weibchen haben einen längeren Carapax, Wachstumsringe der Hornschilde wie bei kazachstanica deutlich ausgeprägt, Plastronvorderlappen deutlich angehoben (im Gegensatz zu horsfieldii aus Afghanistan, rustamovi und bogdanovi), Abstand zw. hinterem Carapax und Plastron deutlich geringer als bei kazachstanica, kuznetzovi hat im Gegensatz zur Nominatform eine geradere und mehr abgeplattete Carapaxkuppel und weniger deutliche oder keine Vertebralhöcker, kuznetzovi hat gezackte hintere Marginalia, die eher nach unten und nicht zur Seite stehen, der Seitenkiel der Marginalia an der Brücke ist deutlich ausgeprägt und parallel zum Plastron.

Agrionemys kazachstanica terbishi Chkikvadze 2009
Verbreitung:
Terra typica:Mongolei, Kobdo
Holotypus:Kobdo Pädagogisches Institut (KPI)
Aussehen: Panzer fast so breit wie lang.


Quelle: Informationsblatt Markus Auer

Beschreibung

Die Vierzehenschildkröte hat, im Gegensatz zu den anderen Testudo-Arten, bei denen dies nur gelegentlich vorkommt, vier Krallen anstelle von fünf an ihren Vorderfüßen. Aus diesem Grunde wird von manchen Autoren die Art eher zur Gattung Agrionemys gestellt (Khozatsky & Mlynarski, Polen). Die Geschlechtsreife tritt ab elf bis zwölf Jahre ein. Sie haben auch einen flacheren Carapax als die häufig gehaltenen anderen Testudo-Arten des Mittelmeerraumes, wobei Männchen meist flacher als Weibchen (Bonnet et al. 2001). Di Panzerform ist von oben her gesehen meist kreisrund, besonders bei jungen Exemplaren und männlichen Tieren; adulte Weibchen sind eher länger als breit. Der Bauchpanzer ist in der Regel überwiegend schwarz. Die Männchen besitzen nicht wie andere Landschildkröten so auffallende Innenwölbung am Plastron.

Verhalten

Die jährliche Aktivitätszeit der Tiere ist im Gegensatz zu den anderen Testudo-Arten recht kurz, in Turkmenistan etwa 100 Tage im Jahr. Die Tiere erwachen meist Ende Februar bis Anfang März aus der Winterruhe und nutzen die kurze Zeit, bis alles vertrocknet ist, intensiv zum Fressen, zur Paarung und zur Eiablage. Ende Mai bis August halten sie oft eine so genannte Sommerruhe, was dann meist Mitte bis Ende August in eine Winterruhe übergeht. Bei uns gehaltene Steppenschildkröten haben meist eine mehr oder wenige lange Sommerruhe, bei Nachzuchten in unserem Lande und besonders bei juvenilen Arten fällt oft die Sommerruhe ganz weg, wie dies auch bei meinen gehaltenen Tieren der Fall ist. Sie ist bei morgens und nachmittags am aktivsten und ziehen sich bei sehr heißen Zeiten in ihre Höhlen zurück und können sehr gut klettern.

Haltung

Bei uns gehaltene Vierzehenschildkröten sollten nach der Winterruhe sofort heiß-trockene Bedingungen mit sehr hoher Strahlungsintensität geboten werden. Dies ist nur im Haus oder Gewächshaus möglich. Ab Mai können sie auch dann bei uns ins Freiland gebracht werden, sobald das wärmeres Wetter herrscht und nicht mehr so verregnet ist. Sie benötigen einen sonnig gelegenen Platz, der keine Staunässe zuläßt. Die Tiere bleiben über den Sommer draußen, aber bereits Mitte August könnten sich die Tiere schon zur Winterruhe eingraben.
Wie schon beschrieben, halten sie dann eine lange Winterruhe, nach Obst (1988) im gesamten Areal von 3 - 5 Monaten.
Die Temperaturen sollten gleichmäßig niedrig sein (5 - 6 Grad C) und dürfen nur trocken bis leicht feucht untergebracht sein, da die Tiere gegen Nässe sehr empfindlich sind. Tiere, die entgegen ihren natürlichen Ansprüchen ganzjährig warm gehalten werden, leben meist nicht lange! Wenn man den Tieren die Winterruhe verwehrt, wird der natürliche Biorhythmus unnötig gestört und es kommt auch meist auch zu Problemen beim Wachstum. Wenn man sich Vierzehenschildkröten anschafft, sollte man also unbedingt auch gleich an ein geeignetes Winterquartier für sie denken. Sie sollten nach der Winterruhe zumindest in einem Gewächshaus, oder auch Zimmerterrarium mit ausreichend großer Grundfläche gepflegt werden, da unser mitteleuropäischer Frühling und teilweise auch der Sommer außerhalb von Weinbaugebieten, für diese Schildkröten zu feucht und kalt ist. Die Lufttemperatur sollte zwischen 26 und 28 °C betragen, während an zusätzlich mit Strahlern beheizte Sonnenplätze der Boden durchaus 40-50 °C betragen kann. In der Nacht darf die Lufttemperatur auf 15 - 22 °C absinken.
Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit, in kalten Gebieten Deutschlands erst mit Beginn des Hochsommers, können die Tiere ins Freiland überführt werden. Hierbei sollte ein Frühbeet oder Gewächshaus den Tieren zur Verfügung stehen.

Ernährung

Die Ernährung der Steppenschildkröte unterscheidet sich kaum von den Empfehlungen, die auch für die griechischen Landschildkröten gelten. Grundsätzlich sollte diese Art mit rohfaserreicher, eiweißarmer Nahrung gefüttert rden, die außerdem ein ausgewogenes Kalzium-Phosphor-Verhältnis aufweist. Siehe auch die Ernährung Breitrandschildkröte.